Oskar Kolb

Von Berthold Büchele 

Oskar Kolb wurde am 14.11.1923 im Weiler Rehmen, Gemeinde Ratzenried (Allgäu), als Sohn des Marzell Kolb geboren. Durch die Kinderfreundschaft mit dem Wangener Maler O. Briegel kam Kolb zum Malen. Bei ihm lernte er, Kirchen auszumalen und Ölgemälde zu restaurieren. Nach dem Militärdienst besuchte Kolb die Meisterschule des Malerhandwerks in Reutlingen. Der Krieg unterbrach zunächst die künstlerische Entwicklung, doch 1945 ließ er sich in seiner Heimat als freier Maler nieder. 1945 heiratete er in Wiesbaden Gerdi Lieglein, doch erst 1949 ließ sich das Paar endgültig in Wiesbaden nieder.

Sein Heimatdorf Ratzenried im Alter von 15 Jahren von Oskar Kolb gemalt (Heimatmuseum Ratzenried)

Zu Beginn seines malerischen Schaffens standen in der zweiten Hälfte der 1940er-Jahre Stillleben, Landschaften und Interieurs im impressionistischen und expressionistischen Stil. Die Gegenständlichkeit abstrahierte er mehr und mehr bis zum Beginn der 50er Jahre. Nach dem Besuch von Abendkursen an der Werkkunstschule Wiesbaden wurde Kolb zunächst Assistent von Vincent Weber, dann Leiter der Abteilung Malerei. 1954 trat Kolb in die „Künstlergruppe 50“ ein. Er unternahm Bildungsreisen nach Italien, Frankreich und Russland. Darüber hinaus war sein Werk regelmäßig in zahlreichen Einzel-, Gruppen- und Wanderausstellungen im In- und auch im Ausland präsent. So nahm er bereits 1957 in Paris an der „Biennale 57“ zum Thema „Jeune Peinture – Jeune Sculpture“ im Palais de Marsan, Louvre, teil.

1957 entstanden unter seiner Mitarbeit bei Vincent Weber die Glasfenster der Friedrich-List-Schule in Wiesbaden. 1960 schuf er ein Mosaik im Eingangsbereich der Turnhalle der Oranienschule. Er entwarf eine Fassadengestaltung für die Adalbert-Stifter-Schule, die Symbolisierung des Lehrsatzes des Pythagoras (1963), und 1969 die malerische Gestaltung einer noch erhaltenen Lern- und Spielwand in der Comeniusschule. In den folgenden Jahren wurde er Dozent an der Fachhochschule Wiesbaden, in der die Werkkunstschule 1971 aufgegangen war. Schließlich war er hier bis 1980 Professor im Fachbereich Gestaltung. Kolb war Preisträger zahlreicher Wettbewerbe für Umweltgestaltung und erhielt bis in die 1980er-Jahre hinein Aufträge der öffentlichen Hand. Ab 1981 leitete er an der Wiesbadener Freien Kunstschule (wfk) bis in die 1990er-Jahre hinein den Fachbereich Kunstbetrachtung.

Form und Farbe - Ein Werk aus dem Jahr 1993 (Heimatmuseum Ratzenried)

Über Jahrzehnte prägte Kolb die Kunstszene Wiesbadens ganz wesentlich und so wurde ihm als erstem Künstler in Wiesbaden 1984 der Kulturpreis der Landeshauptstadt Wiesbaden verliehen. Seine Werke befinden sich vor allem in privatem, aber auch in öffentlichem Besitz. Zum Beispiel erwarb das Kulturamt Wiesbaden zwischen 1978 und 2008 zwölf Arbeiten für die Artothek Wiesbaden. Kolb starb am 24.9.1998 in Wiesbaden. Sein Grab befindet sich auf dem Wiesbadener Südfriedhof. Nach Kolbs Tod fand im Dezember 1999 eine große Retrospektive im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden e. V. statt. 2008, in seinem 10. Todesjahr, präsentierte die Artothek zu seinen Ehren ebenfalls eine Werkauswahl von Bildern aus den Jahren 1947 bis 1998. Die vorerst letzte Ausstellung, „Klang des Geistes“, eine Präsentation der 50-jährigen Schaffensperiode Kolbs, widmete ihm 2013 die Wiesbadener Freie Kunstschule (wfk). Der Nachlass des Künstlers wird von den Erben verwaltet.

Kolb hinterließ ein umfang- und facettenreiches künstlerisches Werk. Neben der genannten Kunst am Bau sind Zeichnungen, Aquarelle, Gouachen, Ölgemälde und Gedichte überliefert. Intensiv setzte er sich vor allem mit den Kunsttheorien Adolf Hölzels und der Meister des Bauhauses, aber auch mit zeitgenössischen Kunstströmungen auseinander. Neben der Form gewann die Farbe immer mehr an Bedeutung. In der Folge entstanden großformatige Bildkompositionen mit differenzierten Farbklängen, mal dunkel-meditativen, mal intensiv-leuchtenden Charakters. Seine Bilder leben von Flächen, Linien, Farben, Rhythmen und musikalischen Formen. Manche Gemälde tragen musikalische Überschriften wie z.B. Allegro maestoso. „Ich liebe die Schönheit, Schönheit als Idee, Schönheit gebunden an Maß und Harmonie. Die Gesetze der Harmonie lassen sich aus den Formen der Natur ableiten.“