Benedikt Welte

Von Berthold Büchele 

Benedikt Welte wurde am 25.11.1805 im Bendelhof nördlich von Ratzenried (Allgäu) geboren. Schon früh verlor er den Vater, und so bewirtschaftete seine Mutter, die insgesamt 5 Kinder hatte, den Hof. Joseph Höptle, der von 1820-1822 Vikar in Ratzenried war, lernte den damals 14 1/2jährigen Benedikt Welte kennen und erkannte seine Begabung im Lernen und Malen. Er erfuhr, „daß er ein ausgezeichnetes Talent und einen eisernen Fleiß in der Werktagsschule bekundet habe, daher immer der Erste gewesen sei, und wenn des Jahres einmal der Graf von Beroldingen, dem dazumal Razenried gehörte, auf einige Zeit dahin gekommen seie, hätte Welte jedesmal demselben im Namen aller Schüler in einer kurzen Anrede begrüßen müßen, und Herr Graf hätte ihm nachher Bände Geschichtenbücher aus seiner Bibliothek gesen­det und sich dahin ausgedrückt, man solle auf den Knaben Acht haben, und wenn man aus ihm etwas machen könne, wolle auch er sein Scherflein dazu beitragen. Ferner äußerte der Pfarrer, daß dieser Knabe jede freie Zeit zum Le­sen und Zeichnen angewendet habe und zu landwirtschaftlichen Geschäften, zu denen er bestimmt werden wolle, nur mit Unlust gebracht werde.“ Höptle gab ihm Unterricht in Latein, eine Tante finanzierte ihm das Studium im Gymnasium in Rottweil, und er bekam freie Kost und Logis. Schnell machte er Fortschritte und kam ins Konvikt in Tübingen. Dort wurde er gleich in die 3. Klasse aufgenommen. „Fleiß und Talent ersezten bald, was ihm an Vorbildung abging. Denn schon im nächsten Jahre in Rott­weil erhielt er die erste Fortgangs-Note und den ersten Preis, und so ging es rasch vorwärts, so daß er im höheren Convict den ersten Platz mit Hefele und Scharpff einnahm.“ 

Nach seinem Studium der Theologie in Tübingen und Bonn wurde Welte 1833 zum Priester geweiht. 1835 war er Repetent im Konvikt in Tübingen. „1836 übernahm er die Vorlesungen in der alttestamentlichen Exegese, wurde 1837 zum Hilfslehrer, 1838 zum außerordentlichen, 1840 zum ordentlichen Professor für dieses Fach ernannt, welches er eine Reihe von Jahren ehrenvoll vertrat. Die letzten Jahre (ab 1857) verlebte er, körperlich und geistig arbeitsunfähig, als Domcapitular in Rottenburg. 1840–44 besorgte Welte die Herausgabe von J. G. Herbsts „Historisch-kritischer Einleitung in das Alte Testament.“ in vier Bänden. Er hat das Manuscript von Herbst vielfach vervollständigt und berichtigt, bei manchen einzelnen Fragen conservativere Anschauungen vertheidigt. Der vierte Band, die deutero-kanonischen Bücher, ist ganz von Welte verfaßt. Seine conservative Richtung bekundet er auch in der 1841 erschienenen Schrift „Nachmosaisches im Pentateuch beleuchtet“. Manche Punkte der alttestamentlichen Einleitung hat er in Aufsätzen und Recensionen in der Tübinger Quartalschrift und in Artikeln des Kirchenlexikons behandelt. Die einzige eigentlich exegetische Arbeit ist „Das Buch Hiob übersetzt und erklärt“ (1849). Unter den katholischen Gelehrten des 19. Jahrhunderts, die als Lehrer und Schriftsteller auf dem Gebiete der alttestamentlichen Wissenschaft gearbeitet haben, nimmt Welte wenn nicht den ersten Platz, so jedenfalls einen der ersten Plätze ein. So lange Welte in Tübingen Ordinarius war, war er auch Mitherausgeber der Tübinger Theologischen Quartalschrift. 1846 übernahm er mit Professor J. H. Wetzer in Freiburg die Redaction des von dem Herder’schen Verlag in Freiburg von 1854 an veröffentlichten Kirchenlexikons, welches 1860 mit dem Generalregisterbande (12 Bände) vollendet wurde.“  

Vikar Höptle schrieb: „Wäre Welte so nicht mit mir in die Bewährung gekommen, und mit seinem schönen Talente wäre er mißvergnügt hinter dem Pflug nachgelaufen und wäre nie glücklich geworden. So ist es nun nicht nur ein Gelehrter für sich, sondern sehr fruchtbar für die Welt und besonders für die katholische Welt als Lehrer an der Hochschule für die Zöglinge des katholischen geistlichen Standes und als Schrift­steller.“ 

Benedikt Welte war „Ritter des königlichen Ordens der württ. Krone“. Er starb am 27.5.1885 in Rottenburg.

Schriften

  • Anzeige der Feier der fünf und zwanzigjährigen Regierung Seiner Majestät des Königs Wilhelm von Württemberg auf den 31. October 1841 von dem Rector, Kanzler und academischen Senate der Universität Tübingen: Goriun's Lebensbeschreibung des hl. Mesrop / aus dem araenischen Urtexte zum ersten Male übersetzt und aus aremenischen Schriftstellern erläutert von B[enedikt] WelteTübingen, Tübingen: E. Tr. Eifert, 1841
  • Nachmosaisches im Pentateuch. Karlsruhe; Freiburg [u.a.]: Herder 1841
  • Das Buch Job: übersetzt und erklärt von B. Welte. Freiburg im Breisgau: Herder 1849
  • Johann Georg Herbst: Historisch-kritische Einleitung in die heiligen Schriften des alten Testaments. Nach des Verfassers Tode vervollständigt und herausgegeben von B. Welte.
    • 1. Allgemeine Einleitung, 1840
    • 2.1 Die historischen Bücher, 1842
    • 2.2 Die prophetischen und poetischen Bücher, 1842
    • 2.3 Specielle Einleitung in die deuterokanonischen Bücher des alten Testaments, 1844 (ohne Vorlage Herbsts)[
    • zus. m. Heinrich Joseph Wetzer (Hrsg.): Kirchenlexikon oder Encyklopädie der katholischen Theologie und ihrer Hilfswissenschaften. 12 Bde. Herder, Freiburg im Breisgau 1847-1856 (Generalregister 1860) (2. Auflage 1882-1901)